Kann ich nicht mehr lesen? – Die Second-Screen-Falle

Die Zeiten, in denen ich ein bis zwei Bücher pro Woche gelesen haben sind schon lange vorbei. Obwohl mich das Lesen damals so begeistert hat, ich mein Bücherregal enorm erweitert habe und sogar einen Buchblog gestartet habe, hat mich diese Passion inzwischen verlassen. Die SUB-Leichen in meinem Regal haben inzwischen schon aufgegeben nach mir zu rufen, da ich sie nicht mehr hören kann. Ich gehe in einen Buchladen und sehe die neuen Bücher, die erscheinen, deren Cover ich wundervoll finde und dessen Inhalte mich eigentlich auch brennend interessieren, aber ich kaufe sie nicht, da ich weiß, dass sie genau wie die anderen nur in meinem Regal einstauben werden. Vielleicht lese ich noch die ersten Seiten und dann muss ich es weglegen und nehme es nicht mehr in die Hand.

Es ist nicht so, dass ich es komplett aufgegeben habe. Ich versuche zu lesen. Jedes Mal, wenn ich umziehe, und das ist alle 3 Monate, nehme ich ein paar Bücher mit und wenn ich Lust habe, fange ich sogar an sie zu lesen. Aber dann verlässt mich ganz schnell diese Lust. Anfangs dachte ich noch es liegt vielleicht am Buch selbst, vielleicht kann es mich nicht packen. Vielleicht spricht mich das Genre einfach nicht mehr an. Also habe ich immer wieder neue Bücher angefangen, in der Hoffnung, dass mich endlich eins packt und ich wieder in den Sog des Lesens gezogen werde, den ich so sehr liebte.

Vor ein paar Wochen war ich auf einer Lesung in Stuttgart von Adriana Popescu und fühlte mich fast wie auf der Buchmesse. Buchblogger, Booktuber und natürlich Autoren vereint mit einer gemeinsamen Passion: Bücher. Und das Ganze hat mich so zurückversetzt in meine Buchblog- und Viellesezeit, dass ich dachte, jetzt ist es so weit: Ich habe wieder Motivation zum Lesen. Und ich habe mir gleich das neue Buch von Adriana Popescu gekauft, aber auch das habe ich aufgeschlagen, ein paar Seiten gelesen und wieder weggelegt. Jetzt steht es hier, genau vor mir im Regal und staubt genau wie die anderen nur zu. Und da frage ich mich: Kann ich nicht mehr lesen?

Und ich denke ich bin nicht die einzige, der es so geht. Immer wieder bekomme ich mit, dass auch andere schon lange in einer scheinbar endlosen Leseflaute stecken. Deshalb denke ich, es ist ein Problem dieser Zeit. Dieser Zeit der Schnelllebigkeit und technischen Entwicklung mit dem Internet, Smartphones, dem Fernsehen und den Streamingportalen. Denn es gibt ein Verhaltensmuster, dass vor allem im Marketing beachtet wird. Denn durch Werbung im Fernsehen, wird kaum jemand erreicht, da viele währenddessen am Handy sind. Aber nicht nur während der Werbung, sondern auch während dem normalen Fernsehprogramm oder wenn du eine Serie auf Netflix streamst, bist du vermutlich gleichzeitig noch mit einem anderen Gerät online und beschäftigt. Du schaust nicht ausschließlich den Film oder die Serie, sondern du nutzt den „Second Screen“ oder wenn du noch mit weiteren Geräten beschäftigt bist, den „Multi Screen“.

Und genau das ist mein Problem. Ich bin ein ganz klares Opfer des „Second Screen“-Verhaltens und ich denke, dass ich deshalb nicht mehr lesen kann. Denn beim Lesen geht das nicht. Fürs Lesen brauche ich volle Konzentration. Ich kann nicht schnell nebenbei noch die Instagram-Timeline checken oder auf WhatsApp kommunizieren, denn dann unterbricht der Lesefluss. Dann werde ich immer wieder aus der Geschichte gerissen und muss jedes Mal wieder die Zeile suchen, in der ich war. Und wenn ich in die Geschichte nicht eintauchen kann, dann habe ich auch keine Lust weiterzulesen, denn dann macht mir das Lesen keinen Spaß.

Jetzt könnte ich natürlich das Handy einfach weglegen, aber ich merke, wie abhängig ich von diesem Teil geworden bin. Wenn ich es weglege, verspüre ich während dem Lesen eine Unruhe und ich kann mich nicht auf das Buch konzentrieren, da ich nicht weiß, ob ich vielleicht gerade Nachrichten erhalte oder etwas anders gerade in Social Media geschieht, das ich verpasse. Weshalb mir das Weglegen meines Smartphones bisher auch noch nichts gebracht hat.

Aber ich denke es ist Übungssache. Ich muss lernen, weniger an meinem Handy zu sein und der „Second Screen“-Falle zu entkommen. Ich muss üben, mich für einen längeren Zeitraum nur auf ein Medium zu konzentrieren und meine Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern. Und dann kann ich hoffentlich irgendwann wieder lesen.

 

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12 Kommentare zu „Kann ich nicht mehr lesen? – Die Second-Screen-Falle

  1. Hi Pascale!
    Das ist ein sehr interessantes Thema, hat aber grundsätzlich mit dem „Lesen“ an sich nichts zu tun.
    Du könntest du wahrscheinlich jedes andere Hobby einsetzen und das gleiche schreiben. Machst du denn noch andere Hobbys, wobei es dir ähnlich geht? Oder hast du Aktivitäten auf die du dich so richtig konzentrieren kannst, ohne dauernd aufs Handy zu schauen?
    Dieses sich nicht Konzentrieren können ist ja tatsächlich ein Problem unserer Zeit. Hat aber meiner Meinung nach nichts mit dem Handy zu tun, sondern da wir einer ständigen Reizüberflutung und zu vielen Anforderungen ausgesetzt sind. Dadurch kommen wir nie zu Ruhe (innerlich) und das wirkt sich eben aus. Bei jedem Menschen anders aber bei vielen doch ähnlich.
    Andererseits kann man aber auch sagen: Hobbys und Interessen ändern sich. 2 Jahre macht man Sport, dann hat man keine Lust mehr und findet riesigen Spaß am Lesen. Nach drei Jahren findet man das nicht mehr so erfüllend und geht jedes Wochenende auf den Flohmarkt oder sammelt etwas. Sowas kann ja auch sein, denn wir entwickeln uns ja weiter – und für alles gibt es seine Zeit. Vielleicht ist für dich einfach grade nicht die richtige Zeit /Stimmung/Gefühl zum Lesen. Du fühlst dich halt grade mit anderen Dingen wohl, das ist ja an sich nichts schlimmes… ?
    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Du hast recht, mir geht es tatsächlich nicht nur mit dem Lesen so, sondern auch, wenn ich z.B. Netflix schaue. Allerdings ist es da ja nicht so dramatisch, da ich ja trotzdem noch viel von der Serie mitbekomme, auch wenn ich ihr nur die halbe Aufmerksamkeit schenke. Bei einem Buch jedoch, muss ich mich einzig und allein auf das Buch konzentrieren, sonst kann ich den Inhalt nicht konsumieren.
      Ich habe auch schon überlegt, dass ich mich einfach von dem Lesen wegentwickelt habe, allerdings bekomme ich ja immer wieder Lust aufs Lesen und viele Bücher machen mich neugierig, aber wenn ich anfange mit dem Lesen, kann es mich nicht wirklich packen und ich denke wie gesagt nicht, dass es an dem Buch liegt, sondern an mir.

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      1. Ja, ich kann verstehen dass du Lust drauf hast Bücher zu lesen, aber vielleicht haben sich deine Interessen auch einfach verschoben? Du möchtest das Gefühl das du „vorher“ beim Lesen hattest wieder herstellen, aber es gelingt nicht. Da müsstest du überlegen woran das liegt. Oder eben: warum du dich so leicht ablenken lässt. Aber das ist eine sehr persönliche Sache, da wird dir ein „Außenstehender“ nicht viel weiterhelfen können.

        Ich hatte z. B. eine sehr exzessive Zeit bei online Rollenspielen wie WOW und Herr der Ringe. Ich habe das wirklich geliebt und würde so gerne wieder spielen. Aber ich weiß (und habs auch ausprobiert) dass es mich einfach nicht mehr so packen kann. Diese Phase ist bei mir einfach vorbei … trotzdem überkommt mich immer wieder der „Drang“ dass ich es gerne machen würde *lach*

        Vielleicht musst du dir erst über andere Sachen klarer werden, in deinem Leben, und brauchst davon jetzt einfach mal eine Pause? Ist halt schwer zu sagen so pauschal.

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  2. Hallo Pascale,

    ich denke den Kern des Problems beschreibst du sehr gut… das Handy und viele andere Medien werden zum „Unterbrecher“ unserer Tätigkeiten, bei Leseratten ist es eben das Lesen. Ich kann mich da leider auch nicht ausnehmen, obwohl ich genau deshalb öfter im Jahr wochenlang darauf verzichte. Mit dem Effekt, dass ich mich tatsächlich sehr viel besser konzentrieren kann.

    Warum tun wir das? Warum müssen wir ständig auf dieses Teil schauen? Haben wir Angst, etwas zu verpassen? Denken wir, immer erreichbar sein zu müssen? Ist es einfach die Sucht nach Aufmerksamkeit in Form von Benachrichtigungen und Neuigkeiten? Lassen wir uns einfach gerne zerstreuen? Können wir mit Medien letzten Endes also nicht gut umgehen? Ja, wahrscheinlich ist das tatsächlich so und dein Fazit beinhaltet auch die Lösung: Wir müssen disziplinierter sein, aber uns auch frei von dem Gedanken machen, ständig etwas Wichtiges zu verpassen und auch von dem Wunsch uns 24/7 unterhalten zu lassen. Es ist wahrscheinlich ähnlich wie mit dem Essen: Uns steht ein Überangebot an Nahrungsmitteln zur Verfügung. Oft genug essen wir deshalb einfach, weil es uns schmeckt… nicht, weil wir wirklich Hunger hätten und sogar, obwohl wir wissen, dass uns viele Dinge gar nicht gut tun. Auch hier heißt das Zauberwort: Disziplin. Und noch vor der Disziplin: Achtsamkeit! Wir sollten bewusst wahrnehmen, WAS wir tun und einem Verlangen nicht unüberlegt nachgeben. Ist nicht so die Stärke vieler Leute, ich weiß. Meine ist es auch nicht immer. Aber der erste Gedanke ist ein guter Anfang. 🙂

    Liebe Grüße und danke für deinen Beitrag

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    1. Hallo Alex,
      vielen Dank für deinen Kommentar und deinen Beitrag zur Diskussion. Ich finde, du stellst genau die richtigen Fragen und dein Vergleich mit dem essen ist sehr treffend und führt einen Punkt auf, den ich so noch gar nicht betrachtet habe. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich deine Aussage, wir könnten nicht mit Medien umgehen, so bestätigen möchte oder ich verstehe sie nicht richtig. Ich denke gerade, weil wir den Umgang mit digitalen Medien gelernt haben und dieser eben anders sein muss, als der Umgang mit Printmedien, um sie konsumieren zu können, haben wir vielleicht etwas verlernt mit einem geschrieben Text auf Papier umzugehen und müssen dies erstmal wieder lernen. Das bezieht sich natürlich nur auf diejenigen, die sich tatsächlich mehr mit den digitalen Medien beschäftigt haben und ist meiner Meinung deswegen auch Genrationenabhängig, natürlich mit Ausnahmen. Da wir eben Reizüberflutung gewohnt sind, fällt es uns denke ich auch schwer uns auf ein einziges Meidum zu konzentrieren und müssen deshalb wie du sagst diese Achtsamkeit erst wieder antrainieren.

      Liebe Grüße

      Pascale

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  3. Wow, no judgement, aber das klingt tatsächlich ja schon nach einer Sucht. Ich habe bewusst keine Messenger, Insta oder sonstiges auf dem Handy. Auch ich kenne das, dass ein Buch mich nicht packen kann. Das liegt dann aber daran, dass mein richtiges Leben einfach so aufregend und schön ist, dass ich ihm gerade nicht durch ein Buch „entkommen“ will. Aber welchen Wert haben denn irgendwelche Insta-Posts oder die neuesten Whats App Gruppennachrichten? Ich sehe da nicht viel Sinn dahinter.

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    1. Hallo Kitty,
      klar ist das schon eine Sucht, aber ich glaube kaum, dass jemand heutzutage noch von sich behaupten kann, er wäre nicht süchtig. Außer man lehnt eben den ganzen digitalen Fortschritt ab und beschäftigt sich nicht damit, was für mich auch keine Lösung ist. Mir persönlich macht es Spaß auf Social Media aktiv zu sein und ich denke nicht, dass es daran liegt, das mein „Reallife“ zu langweilig wäre, sondern es zählt einfach inzwischen zu meinen Hobbies, neben dem ich in meiner Freizeit noch vieles anderes mache. Und da kommt zur Zeit eben das Lesen zu kurz, vielleicht auch weil mein Richtiges Leben „zu spannend“ ist. Aber ich denke nicht nur, da ich eben häufig Lust darauf habe ein Buch zu lesen, damit anfange und mich nach wenigen Minuten dabei erwische, dass ich immer wieder währenddessen auf mein Handy schaue und ich mich plötzlich nicht mehr auf das Lesen konzentrien kann oder mag. Auch wenn ich das Handy weglege verlässt mich schnell wieder die Lust am Lesen. Ich möchte auch nicht ausschließen, dass außer dem „Second-Screen“-Konsum, nicht auch weitere Faktoren da mitreinspielen, aber ich denke es ist ein wichtiger Punkt, den man in Erwägung ziehen sollte.

      Liebe Grüße
      Pascale

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  4. Liebe Pascale,

    ich kann das punktuell nachvollziehen. Auch wenn ich gar nicht soooo aktiv bin wie andere, werde ich phasenweiße unruhig. WhatsApp habe ich erst seit einem Jahr und seit dem lese ich pro Tag eine Stunde weniger. Die Verlockung, immer mit seinen Freunden im Austausch zu sein, gab es auch früher schon. Der Mensch ist halt ein Rudeltier. Nur gab es früher eben nicht diese Möglichkeiten.
    Mir persönlich hilft es, mir feste Zeiten zu setzen. Ab 19h ist mein PC aus, das wissen meine Freunde. Ok, Whats App schau ich dann doch auch immer mal wieder, aber der Rest muss bis zum nächsten Tag warten. Und manchmal zwinge ich mich dann auch, jetzt eine Stunde zu lesen, bevor ich wieder in WhatsApp reinguck. Vielleicht hilft Dir so was. Es ruhig auch Deinen Freunden sagen, das nimmt zumindest den Druck raus, die anderen warten auf Antwort. Oder je nachdem wann Dus chlafen gehst, eine Stunde vorher, zack, alles aus. Ja, das ist am Anfang schwer, aber man gewöhnt sich daran tatsächlich und dann tut die Zeit gut. Ich freu mich inzwischen schon immer auf 19h. 😀

    Wenn ich irgendwas umsetzen will und nicht weiß, ob ich es schaffe, dann mache ich oft eine Challenge draus. ZB eine Woche ab 21h Handy aus. Vielleicht machen Deine Freunde ja sogar mit. Und wenn Du nach einer Woche siehst, Du hast es geschafft, kannst Du es verlängern. Um noch eine Woche usw.
    Du könntest auch eine offizielle Challenge mit Deinen Freunden draus machen. Immer am nächsten Tag posten, was Ihr ab 21h ohne Handy gemacht habt. Etwas spielerisches rein bringen.

    Liebe Grüße
    Petrissa

    Gefällt 1 Person

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