|Gedankenschnipsel|On my way

Ich stapfe durch das öde Land, den riesigen Rucksack auf den Schultern, unter dem ich fast zusammenbreche. Vollgepackt mit ungetroffenen Entscheidungen. Der Schweiß, der mir von der Stirn tropft, läuft in meine Augen und verklärt meine Sicht. Ich kann nicht sehen, wo es lang geht, kann nicht sehen, was mein Kompass anzeigt. Panik beginnt sich in mir auszubreiten. Da erscheint eine Silhouette vor mir. Ich spreche sie an:„Entschuldigung, wo geht’s denn hier zur Unabhängigkeit?“

„Tut mir leid, das musst du schon selbst herausfinden.“

Unabhängigkeit. Erwachsensein. Ist denn das dasselbe? Ich denke es ist reine Definitionssache, denn vor dem Gesetz bin ich ab 18 Jahren erwachsen, aber das heißt noch lange nicht, dass ich mich auch erwachsen fühle, geschweige denn so verhalte. Erwachsenwerden ist ein Prozess. Der Weg in die Unabhängigkeit ist ein Teil davon. Und ich stehe erst ganz am Anfang.

Aber ich fange an kleine Babyschritte zu machen. Mein Kompass zeigt Richtung Unabhängigkeit.

Der endgültige Stoß in die richtige Richtung war das Abitur, das Ende meiner Schulzeit. Doch schon davor habe ich Vorbereitungen getroffen für diesen wichtigen Schritt zur Eigenständigkeit. Meine Suche nach dem richtigen Studiengang, meine Entscheidung für ein duales Studium und schließlich die Bewerbung für ein Unternehmen. Bei all dem war ich auf mich alleine gestellt und musste Entscheidungen treffen, die oft nicht leicht zu treffen waren, da mir bewusst war, wie viel Bedeutung in ihnen lagen. Bei diesen Schritten, nahmen mich meine Eltern nicht an die Hand. Ich musste sie alleine gehen.

Natürlich unterstützten mich meine Eltern und ab und zu musste ich auf meinem Weg auf dem Drahtseil, das über die Schluchten der Unsicherheit gespannt war doch nach ihrer Hand greifen. Meine Mutter las die Bewerbungen Korrektur und mein Vater brachte mich nach Stuttgart zum Bewerbungsgespräch. Aber wie gesagt, es ist ein Prozess. Und deshalb ist es nicht schlimm, dass ich mich nicht direkt von der Hand meiner Eltern lösen konnte.

Jetzt bin ich schon weiter. Ich bin alleine zum Sommerfest meiner Firma in Stuttgart gefahren, habe die Hin- und Rückfahrt selbst organisiert. Ich kenne mich überhaupt nicht aus in Stuttgart, war zuvor in meinem Leben vielleicht zwei Mal dort und habe keine Erinnerung daran. Ich musste die verschiedenen Haltestellen, S- und U-Bahnen finden. Das ist für ein Kleinstadtkind wie mich nicht leicht, müsst ihr wissen. Manche finden es vielleicht lächerlich, dass ich so etwas Banales schon als Erfolg sehe, aber meiner Meinung nach machen auch schon die kleinen Dinge etwas aus und bringen mich der Eigenständigkeit näher.

Das letzte Wochenende war besonders nervenaufreibend für mich. Denn ich war schon längere Zeit auf Wohnungssuche, hatte einen Plan, den ich letztendlich komplett umgeschmissen habe. Und dann habe ich endlich eine Einladung zu einer WG-Besichtigung erhalten. Und das ausgerechnet zu der Zeit, während ich im Kurzurlaub in Frankreich war. Aber ich wollte unbedingt dieses WG-Zimmer. Und so habe ich mir eine Mitfahrgelegenheit in der Nähe des Campingplatzes gesucht, versucht möglichst billig nach Stuttgart und wieder zurückzureisen. Habe noch weitere Besichtigungen ausgemacht und innerhalb von drei Stunden drei WGs besichtigt.

Ich war gerade auf der Heimfahrt. Da erhalte ich auch schon die Nachricht, dass die WG, die von Anfang an mein Favorit war, wollte, dass ich bei ihnen einziehe. Und deshalb hat sich der ganze Aufwand gelohnt. Auch, wenn es noch so verrückt war.

Jetzt habe ich ein WG-Zimmer. Ein weiterer Schritt in die Unabhängigkeit liegt vor mir, denn ich werde bald mein zu Hause, meine Komfortzone verlassen. Zwar erstmal nur für drei Monate, aber ein kleiner Schritt in die Eigenständigkeit ist besser als gar kein Schritt. Und deshalb freue ich mich auf die weiteren Schritte Richtung Unabhängigkeit, Eigenständigkeit. Richtung Erwachsensein. Und ich bin gespannt, was mich auf diesem Weg noch alles erwarten wird.

Wo werden meine Fußstapfen im Sand schließlich zu sehen sein? Wo wird mein Weg Richtung Unabhängigkeit entlangführen?

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18 Kommentare zu „|Gedankenschnipsel|On my way

  1. Liebe Pascale,

    ein spannender Weg, für den ich dir alles Gute wünsche. Ich bin jetzt schon Ü40 und kann dir sagen … die Reise bleibt in jedem Alter spannend. Irgendwie sind wir in jedem Alter noch ein bisschen „Kind“ 😉 …

    Sonnige Grüße
    Verena

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  2. Ach Pascale, das kenn ich nur zu gut! Ich bin gerade dabei meine Masterarbeit abzuschließen und steh auch vor dem Scheideweg. Weiß nicht wohin ich gehen werde bzw. wo ich arbeiten werde und was mich so erwartet. Das kann ganz schön beängstigend sein und ich bin oft überfordert. Mir hilft es dann, zu probieren im Moment zu leben und alles Schritt für Schritt zu gehen 🙂 Ich schick dir viel Energie!
    Alles Liebe, Theresa

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  3. Hallo Pascale,
    ich bin auch relativ „früh“ ausgezogen mit 17, das mit der Unabhängigkeit wird schon noch.
    Und das Thema mit dem „erwachsen werden“ braucht Dir auch keine Angst machen, ich bin lieber Kind als „Erwachsen“. Auch jetzt mit meinen 23 Jahren spüre ich wenig, vom „Erwachsen sein“, habe zwar meine eigene Wohnung usw. aber ich bin immer noch so, wie früher.
    Denke, dass sich das auch nicht so schnell ändern wird.
    Alles Gute, Alina

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    1. Wow mit 17 schon ausziehen ist ja früh, wirklich beeindruckend. Ja mit dem lieber Kindsein hast du vielleicht recht, aber mir geht es eben hauptsächlich darum, dass ich selbstständiger werden möchte und nicht mehr so sehr abhängig von meinen Eltern 🙂

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    1. Ja geht mir auch so, aber eigentlich sollte man sich doch auch darauf freuen, was kommen wird. Zu viel Angst sollte man nicht haben, anders verpasst man zu viele schöne Momente in der Gegenwart 🙂

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  4. Wow das ist ja ganz schön früh! Ich bin mit 15 auf ein Internat gegangen und mit 18 dann in eine eigene Wohnung gezogen, also doch schon recht früh. Jetzt wohne ich schon fast 2 Jahre alleine und ich fühle mich immer noch nicht wirklich „erwachsen“. Die Definition Erwachsen sieht einfach jeder anders. 🙂

    Liebe Grüße Lisa♥
    lisaslovelyworld

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  5. Liebe Pascale, du hast einen wirklich schönen Blog! Der Beitrag gefällt mir super, denn ich habe auch oft Probleme mich komplett von anderen zu lösen und meinen eigenen Weg zu gehen – aber das kommt mit der Zeit 🙂 LG Janina

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    1. Danke für deine lieben Worte😘 Ja ich hoffe, dass es mir irgendwann leichter fallen wird. Aber ich freue mich eigentlich auch darauf, endlich auf eigenen Beinen zu stehen.

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